WordCamp Europe 2019 – Open-Source-Konferenzen als Trendbarometer und Wissens-Katalysator

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Was sind WordCamps und was bringt eine Teilnahme daran?

Gastbeitrag von Birgit Olzem. – Birgit Olzem ist aktives Mitglied der WordPress Community und im Organisationsteam des WordCamp Europe 2019, #WCEU 

Open-Source-Konferenzen wie das kommende WordCamp Europe 2019 in Berlin dienen nicht nur dem Netzwerken und dem Wissenstransfer, es werden auch Zukunftsvisionen geteilt und neue Wege in der Software-Entwicklung aufgezeigt. In der Open-Source-Community rund um das CMS WordPress hat sich eine Event-Kategorie entwickelt, die zunehmend auch außerhalb der WordPress Anwendergruppen Anklang findet. Diese Open-Source-Konferenzen werden WordCamps genannt.

Was sind WordCamps und was bringt eine Teilnahme daran?

WordCamps sind überwiegend lokale Veranstaltungen mit 100 bis 400 Teilnehmern, die über den ganzen Globus verteilt von Freiwilligen organisiert werden. Der Ursprung von WordCamps liegt in San Francisco, als im Jahr 2006 der WordPress Mitgründer Matt Mullenweg ein informelles Anwendertreffen mit einem kleinen Team organisiert hat. Seit 2015 dient das WordCamp US als neue Heimat für ein die US-Staaten übergreifendes Event, welches alle zwei Jahre den Veranstaltungsort wechselt. Bis 2014 galt das WordCamp San Francisco als das jährliche Schlüssel-Event der WordPress Community, weil Mullenweg dort stets seine Keynote am Ende eines Jahres gehalten hat. Diese Tradition wird auch beim WordCamp US fortgesetzt.

Die Idee für das US-Staaten übergreifende WordCamp US entstand aufgrund der Erfahrungswerte des erfolgreichen WordCamp Europe, das seit 2013 jährlich in einem anderen Land auf dem europäischen Kontinent veranstaltet wird. Das nächste WordCamp Europe findet übrigens vom 20. bis 22. Juni 2019 in Berlin statt. Die Erfolgsgeschichte der staaten- bzw. länderübergreifenden Großveranstaltungen setzt sich mit dem ersten WordCamp Nordic fort, das vom 7. – 8. März diesen Jahres in Helsinki, Finnland erstmalig für die skandinavischen Länder veranstaltet worden ist. Ein WordCamp Asia für den asiatischen Raum ist in Planung.

In diesem Beitrag möchte ich darauf eingehen, welchen Nutzwert dir die Teilnahme an einem WordCamp bieten kann und auf welche Besonderheiten zu achten ist.

Was bietet dir ein WordCamp?

Neben der erwähnten jährlichen Keynotes von Mitbegründer Mullenweg auf den überregionalen WordCamps, erhältst du als Teilnehmer eines WordCamps tiefere Einblicke in das Ökosystem von WordPress, außerhalb der Software-Komponenten. Die großen WordCamps, wie das in den Vereinigten Staaten von Amerika oder in Europa, beherbergen zwischen 1500 bis 3000 Teilnehmer. Dementsprechend groß ist deine Chance, viele der aktiv Mitwirkenden persönlich zu treffen, die am Open-Source Projekt freiwillig mitarbeiten.

Die lokalen WordCamps ermöglichen dir einen noch intensiveren Austausch, was der überschaubaren Teilnehmerzahl geschuldet ist. Der Austausch untereinander ist stets wertvoll, wie auch die angebotenen Vorträge, die verschiedene Themen abdecken.

Einen schönen Einblick, wie ein deutschsprachiges WordCamp im BarCamp-Style abläuft, hat einer der Team-Repräsentanten des deutschsprachigen Marketing-Team in einem kurzen Video dokumentiert.

Wer spricht auf WordCamps?

Die Vielfalt der Vortragenden auf einem WordCamp ist oft sehr groß. Dabei spielt die Erfahrung der Speaker eine untergeordnete Rolle. Es gibt verschiedene Arten, das Vortragsprogramm eines WordCamps zu gestalten. Der übliche Weg ist die Kuration von eingereichten Session-Vorschlägen. Es ist jedem gestattet, einen oder mehrere Vorträge für ein WordCamp einzureichen, solange die Präsentation den Richtlinien (WordCamp Organizer Handbook: Speaking at a WordCamp) entspricht. Eine Gruppe aus dem Organisatoren-Team wählt dann die Vorträge thematisch aus und achtet auf eine optimale Vielfalt der Themen und Vortragenden. Auf Veranstaltungen, die komplett oder teilweise eine BarCamp-Struktur nutzen, werden Vortragsideen persönlich am Veranstaltungstag vor den versammelten Teilnehmern eingebracht und bei genügend Zustimmung in den Zeitplan eingetragen. Das bringt oft eine interessante Dynamik in das Themenspektrum, da manche Vortragsideen spontan entwickelt werden und improvisiert werden müssen. Was aber kein Qualitätsmanko bedeuten soll.

Wie viel kostet es, beim einem WordCamp dabei zu sein?

Bis Ende 2018 lag die Höchstgrenze für den Besuch eines Barcmaps bei maximal 20€ pro Konferenz-Tag. Dieser Maximalbetrag ist seit Januar 2019 auf 25 € angehoben worden. Dies ist im Vergleich mit vielen anderen Konferenzen ein sehr günstiger Ticketpreis. Im Preis sind in der Regel Erfrischungen über den Tag verteilt sowie ein Mittagessen enthalten. Hinzu kommen dann noch die Kosten für die eigene Anreise und gegebenenfalls eine Unterkunft. Die Teilnahme an einem Contributor-Day, der meist im Rahmen eines WordCamp veranstaltet wird, ist in der Regel kostenfrei. Die Vorträge der überregionalen WordCamps, wie des WordCamp US, des WordCamp Nordic und auch des WordCamp Europe 2019 in Berlin werden zudem via Livestream weltweit kostenfrei übertragen. Somit partizipieren diejenigen, die nicht persönlich vor Ort sein können, zumindest von den Inhalten, auch wenn der Netzwerk-Faktor dabei entfällt.

Wer finanziert WordCamps?

WordCamps sind Non-Profit-Veranstaltungen und werden überwiegend durch Sponsoren-Gelder finanziert. Viele Unternehmen in der Branche möchten auf diese Art einen wertvollen Beitrag zum Open-Source-Projekt leisten. Die ehrenamtlichen WordCamp-Organisatoren vergeben unterschiedliche Sponsoring-Pakete, die für jeden Geldbeutel passend sind. Einzelpersonen, die das WordCamp unterstützen möchten, können auf subventionierte Tickets verzichten und stattdessöen sogenannte Community-Tickets erwerben, deren Preise bei einer zweitägigen Konferenz meist um die 150 € liegen.

Wie findest du bevorstehende WordCamps?

Alle WordCamps weltweit sind auf https://central.wordcamp.org/ gelistet. Deutschsprachige WordCamps werden oft nach Bekanntgabe auch auf de.wordpress.org angekündigt.

Was sind Contributor Days?

Ein Contributor-Day wird meist im Rahmen eines WordCamps organisiert. An diesem Tag wird in unterschiedlichen Teams am Open-Source-Projekt WordPress und dessen Ökosystem gearbeitet. Es steht jedem frei, an dem Projekt mitzuwirken. Auch ohne Programmier-Kenntnisse! Es gibt viel zu tun – auch außerhalb der Software-Entwicklung. Zum Beispiel gibt es ein Team, das sich um das Marketing kümmert. Das deutschsprachige Marketing-Team sucht händeringend weitere freiwilligen Mitwirkende, um WordPress im deutschsprachigen Raum noch bekannter zu machen. Weitere Infos zum Mitwirken sind auf https://de.wordpress.org/open-source-community/ zu finden.

Über die Autorin:

Birgit Olzem ist Coach und Trainer für WordPress und seit 2012 aktiv in der deutschsprachigen sowie der globalen WordPress Community.

Bild von Alexander Gounder auf Pixabay